Isa mit Wohnmobil und Hund in Schweden. Teil 2: Von Trelleborg nach Stockholm

Gastartikel | Isa schreibt eigentlich auf isaswomo. Aber ich konnte sie dazu überreden auch für Schweden und so etwas aufzuschreiben. Warum? Weil sie mit Wohnmobil und Hündin Milla vier Monate im schönen Schweden verbracht hat. Wie es ihr dabei erging und was sie alles erlebt hat ist so ausführlich geworden, dass dabei die Artikelserie Isa in Schweden entstanden ist! Ich freu mich riesig, vielen herzlichen Dank, Isa! Im ersten Teil berichtete sie von ihrer Reiseplanung, der Überfahrt von Deutschland nach Schweden und die ersten Tage, die sie in Trelleborg verbracht hat. So gings weiter:


Nach ein paar Tagen ging es von Trelleborg aus immer weiter die Ostküste entlang. Hoch in Richtung Stockholm.


Nach den ersten Tagen und Nächten auf doch recht teuren Stell- oder Campingplätzen, war ich so gelassen, dass ich fast nur noch frei stehen wollte. Um gute Plätze zum Freistehen zu finden, war mir einerseits der schon im ersten Teil erwähnte Wohnmobil-Reiseratgeber* behilflich und auch die in jedem Ort leicht zu findenden Touristeninformationen.


Da der gesamte PKW-Verkehr in Schweden doch viel gelassener ist als bei uns, war es nie ein Problem mit dem Wohnmobil in die Städte hinein zu fahren. Dazu suchte ich mir, dank der Navigon Handy Navigation, einen großen, stadtnahen Parkplatz und konnte dort das 6 Meter lange Womo parken (das Parkticket habe ich mit der Kreditkarte bezahlt). Dann habe ich mir bei der Touri-Information einen kostenlosen Stadtplan besorgt.

Eigentlich gab es in jeder Stadt oder im nahen Umfeld einen See, das Meer oder einen Park, samt Parkplätzen oder kleiner Stichstrassen. Genau nach solchen Orten habe ich auf den Stadtplänen immer gesucht, um sie nach einem ausgiebigen Stadtbummel bzw. einer Stadtbesichtigung anzufahren.


Das war wirklich gar kein Problem und ich habe damit in knapp 4 Monaten in Schweden nicht eine schlechte Erfahrung gemacht. Ganz im Gegenteil!

 

Einmal stand ich sogar an einem Fluss und habe erst in der Nacht bemerkt, dass ich ganz nah an einem Partyboot-Anleger stand. Natürlich gingen mir gleich Horrorszenarien durch den Kopf: Wenn da jetzt jede Menge betrunkener junger Leute vom Boot kommt... Hai, hai, hai… Hoffentlich geht das gut?!


Aaaaaber... Alle Panik war umsonst: Die jungen Leute haben nichts gemacht, ganz im Gegenteil sogar. Plötzlich bekam ich mit, dass sie anfingen deutlich leiser zu sprechen, als sie sahen, dass bei mir im Alkoven Licht brannte... Echt klasse!!!


See in Schweden im Abendrot mit Steg

Oder ein anderes Beispiel... Und da ging mir echt der Hintern auf Grundeis. Ich war in Motala. Motala ist eine Stadt direkt am Ost­ufer des Vättersees gelegen. Ich war wiedermal tagsüber in der Stadt unterwegs und habe mir später einen netten Parkplatz in der Nähe eines “Yachthafens” gesucht. Super Freisteh-Platz: Ein kleiner Parkplatz, direkt am Wasser, mit Blick darauf.... 1A, besser ging es wirklich kaum.

 

Den ganzen Abend über passierte nichts. Ein oder zwei Autos fuhren vom Yachthafen weg, aber ansonsten war es ein ruhiger, wunderschöner Abend, samt traumhaftem, schwedischen Sonnenuntergang! Irgendwann bin ich dann absolut sorglos schlafen gegangen und mitten in der Nacht wieder wach geworden.

 

Neben dem Womo stand plötzlich ein riesengroßer SUV-Porsche. Der Fahrer stellte den Motor ab, stieg aber nicht aus. Naja... Schon etwas komisch so um halb vier Nachts, aber gut! Ich behielt ihn durch mein Alkovenfenster im Auge. Kurz danach kamen dann allerdings noch zwei weitere super teure Luxusautos und ich konnte erkennen, dass überall junge Männer drin saßen. Ein Auto auf der linken Womo Seite, ein Auto auf der rechten Womo Seite und ein Auto blieb etwas dahinter stehen.


Langsam bekam ich da oben im Bettchen Schiss... Mitten in der Nacht eine ganze Meute Typen, so um die 20 Jahre. In solchen Karren. Links vom Womo, rechts vom Womo und dann auch noch dahinter. Wollen die mich hier jetzt gleich irgendwie überfallen und mit dem abseits geparkten Auto abhauen?


Ich bin nix wie raus aus dem Bett und habe alle zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, bevor ich mich wieder in den Alkoven gekniet habe. Von dort hatte ich die Typen im Blick, ohne dass sie mich sofort sehen konnten. Ich hatte echt Angst und dann stiegen sie plötzlich auch noch alle gemeinsam aus den Autos und besprachen sich.... Ich hatte wirklich schon mein Handy neben mir mit der Nummer der Polizei und der Adresse aus dem Navi, soooooo Schiss hatte ich.


Dann gingen die Typen zurück zu den Autos und öffneten die Kofferräume. Ich war mir absolut sicher, dass sie da jetzt Waffen holen würden. Baseballschläger oder Stemmeisen oder so. Milla war mittlerweile auch im Agressiv-Modus und hat gebellt und geknurrt wie eine Große. Mir ging der Poppes echt auf Grundeis.

 

Bis... Ja bis ich gesehen habe, was die Jungs aus ihren Kofferräumen holten: Ihre.... Angelausrüstung!
Die Jungs schnappten sich ihre Köfferchen, Höckerchen und ihre Angeln und verschwanden zum Nachtangeln an den See.

:­) :­) :­) .... ja Schweden ist dann doch nicht die USA ! :­) Ein Wahnsinn!!! Morgens ganz früh sah ich die Jungs dann immer noch ganz ruhig mit ihren Angeln und Thermoskannen am See sitzen. Genau so sind sie, meine Eindrücke von Schweden :­) !

Diese tollen Eindruck bekam ich im übrigen überall, ganz gleich wo ich stand... Ich will gar nicht sagen das alles in Schweden nur perfekt ist, die haben sicherlich auch ihre Probleme, aber ganz gleich wo ich war, ob mitten in der Stadt, oder weit ab vom Schuss an einem See im Wald... Ich wurde von den Personen immer freundlich begrüßt plus war alles immer sehr ordentlich und sauber... Keine doofen Sprüche, kein aggresiver Ton, kein nächtliches am Womo klopfen, kein Müll, keine geschrotteten Picknick Bänke, keine klebenden Kaugummis, keine versauten Tische oder oder oder....

 

Irgendwann bin ich dann von der Ostküste ein bisschen weiter ins Landesinnere abgeschweift und kam am Götakanal an... Ein ganz toller Bereich für Wohnmobilisten!
 Fast an jeder Schleuse findet man kleine und große Stellplätze, samt Strom und Entsorgung. Ich kann jedem, der nicht sooo viel Zeit hat um Schweden zu bereisen, nur den Tipp geben am Götakanal entlang zu tuckern... Ein wirklich tolles Gebiet, das unheimlich viel zu bieten hat. Als ich in dieser Region unterwegs war, dachte ich ganz häufig: irgendwie ist das Gebiet um den Götakanal ein Querschnitt aus ganz vielen Orten die ich bis dahin gesehen hatte, von einsamen Waldseen, über Elchparks und typisch schwedischen Dörfern, zu Städten, Museen und vielen, vielen Schleusen, ist dort alles zu finden.

 

"Vom Kanal aus bin ich dann aber endlich weiter bis nach Stockholm gefahren, irgendwann musste ich ja mal voran kommen..."

 

Stockholm war für mich ein absolutes MUSS und es war auch wirklich großartig!!! Stockholm hat dieser ganzen Schweden-Tour wirklich noch die Krone aufgesetzt... Das ein so schönes Land auch noch eine so tolle und dennoch entspannte Hauptstadt hat... Großartig !!!


Mein bestes Beispiel für die entspannten schwedischen Autofahrer ist ein peinlicher Vorfall mitten in Stockholm..... Extreeeem peinlich.... :­)
Ich kam langsam in die Stadt und suchte den Weg zum City Stellplatz unter der Brücke. Wenn ihr mit dem Womo dort stehen wollt, ist eine Reservierung, auch nur 1­2 Tage vorher, absolut zu empfehlen. Freistehen in Stockholm lohnt sich nicht, die ganzen einigermaßen stadtnahen Parkplätze kosten auf 24 Stunden gesehen genau so viel wie auch dieser Stellplatz... Dieses schlaue Stockholmer Ordnungsamt ;­)


Durch ganz viele verschiedene Baustellen und Straßensperrungen klappte das alles aber mal so gar nicht und ich fuhr und fuhr, aber von dem Stellplatz war weit und breit nichts zu sehen. Mein Navi wollte mich dann immer wieder durch einen “Citytunnel” schicken. Der war aber zu niedrig für das hohe Wohnmobil, dreimal hab ich die Einfahrt früh genug gesehen, beim vierten Mal stand ich direkt vor dem Tunnel, mitten im Zentrum von Stockholm.... NICHTS GING MEHR!!!


Ich hab die gesamte Kreuzung lahm gelegt und es war soooooo peinlich!!!
 Ich kam nicht vor und nicht zurück, hinter mir mussten zig Autos zurücksetzen, damit ich irgendwie rückwärts von dieser Tunneleinfahrt weg kam....
 Bei dieser ganzen Aktion hat nicht ein Auto gehupt!!! Ganz im Gegenteil... Das Auto hinter mir hatte meinen Fehler schon eher gesehen als ich selbst und etwas Abstand gelassen. Dann kamen noch zwei Leute vom Bürgersteig und winkten mich so weit zurück, dass ich irgendwann wenden konnte. Die ganze Aktion dauerte einige Minuten und dabei zeigten mir noch Leute aus ihren Autos an “hey, alles gut, mach langsam, kann passieren” und alle waren wirklich nett!!!


Es war für mich eine extrem peinliche Situation, aber wie die Schweden reagiert haben... absolut fantastisch!!! Wenn mir das in Berlin oder Paris passiert wäre.... Naaaa, schönen Dank !

Stockholm Gamla Stan
Stockholm Gamla Stan

Blick auf Stockholm vom Wasser aus
Modell der Vasa im Vasamuseet Stockholm

Irgendwann kam ich dann aber doch noch am Stellplatz an und durch die Zwei-Tages- Stockholm Card (für mich hat sich diese Karte extrem gelohnt, ohne sie hätte ich niemals so viel gesehen, weil ich die Eintrittspreise und das lange anstehen nicht in Kauf genommen hätte,) hatten wir drei ganz tolle Tage in Stockholm... Es ist sicherlich ein Rechenexemplar, aber ich war sehr froh die Stockholm Card gekauft zu haben. So konnte ich kostenlos mit der Bahn fahren, hatte sowohl eine Stadtführung per Bus als auch mit dem Schiff und konnte bei allen großen Museen (u.a. Vasa Museum, ABBA Museum, National Museum, Tierpark) an den langen Schlangen vorbei gehen, da man mit dieser Karte keinen weiteren Eintritt zahlen muss.


"Diese Tage in Stockholm

sind mir sicherlich noch mit 80 Jahren im Gedächtnis!"

 

Hier gehts mit dem dritten Teil weiter!


Isa Speckmann vom Blog Isaswomo

Ich bin Isa, 31 Jahre, mittlerweile seit einigen Jahren berentet und darum Vollzeit-Bloggerin. Vor einigen Jahren habe ich mir den Traum vom eigenen Wohnmobil erfüllt und reise seitdem als Alleinfahrerin durch Deutschland und Europa. Auf isaswomo schreibe ich rund um die Themen Alleinfahrer, Wohnmobil, Camping, Outdoor, Tipps und Tricks, Tourbücher, Stellplatzhinweise...

Ich freue mich wenn Du bei mir vorbei schaust und hoffe wir lesen uns !


Text und Fotos: Isa Speckmann

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Danke fürs Lesen!

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