Die Leuchtturm Insel

Wer zu Wasser zum Hafen in Holmsund oder davon weg will, der passiert mit seinem Boot einen kleinen Irrwald aus Inselchen, Steinen und Seezeichen. Und Fjärdgrund - die Leuchturminsel. N 63 40, O 20 21.

Der Wind, die Segler, die Entdecker und der Kvark

 

Es gibt sie in allen Bereichen. Diese Sprüche. Einige klüger als andere.
 
Es gibt drei Sorten von Wind,
-von vorne
-zu viel
-zu wenig.
 
Und es gibt auch drei Sorten von Seglern,
-die auf Grund gegangen sind
-die auf Grund gehen werden
-und Lügner.
 
Auch drei Arten von Entdeckern gibts,
-solche, die meinen die Natur zu bezwingen
-andere suchen die Herausforderung
-und welche, die mit Achtung erleben und auch gerne überleben.

 

Das nördlichste Ende der Ostsee (nicht zu verwechseln mit der sogenannten “Nördlichen Ostsee”, denn die hört schon bei Stockholm auf), also der nördliche Kvark und die Bottnische Bucht, sind flach, trügerisch, steinig, unübersichtlich, klippig, abgelegen, wunderschön und voller einsamer Inseln.

 
Es lohnt sich, hier zu entdecken.

 
Am besten eignet sich Typ Drei der Entdecker. Auch Nummer zwei kann durchaus auf seine Kosten kommen.

 
Doch die Wracks, die hier dicht an dicht den Meeresboden bedecken, ehrfurchtsvolle Erinnerungen der alten Fischer, und die unzähligen Geschichten von Menschen die in Sichtweite des Ufers im Wasser erfrieren, lassen die erste Sorte ein wenig lächerlich erscheinen.

 
Unter den Seglern findet man vor Ort die ersten beiden Sorten.

 
Vom Wind alle drei.

 
Und man muss hier nicht weit reisen, um an spannende Orte zu gelangen.
 

Fjärdgrund - Die Insel mit dem Leuchtturm

 

Im Delta des Umeälven liegt eine kleine felsige Insel die schon seit langem und auch heute noch das Hauptfahrwasser markiert. Darauf ein Leuchtturm. Einer von vielen, aber der Schönste der Gegend. Er ist Motiv unzähliger Fotos, er zieht die Aufmerksamkeit der Vorbeipassierenden auf sich.

 
Die schroff abfallenden Klippen, umgeben von einigen Riffs und den Stellnetzen des örtlichen Fischers, machen das Anlegen recht heikel. Der ehemalige Steg des Leuchtturmwärters wurde vom Eis der vielen vergangenen Winter vollständig zernagt. Und nur aus der Ferne deuten noch die Reste von Gemäuer darauf, dass diese Insel eine Geschichte zu erzählen hat.

 

Schon lange hatte uns diese Insel mit ihrer Farbenpracht gelockt.

 

 

Jetzt liegt alles im Nebel und ein Verlassen des Hafens in Holmsund erscheint unmöglich. Als aber langsam die Besatzung vollzählig wird, erhebt sich das trübe Grau vom Wasser, Konturen werden erkennbar, ein Horizont ist auszumachen und tatsächlich bricht die Sonne durch.

 

 

Mit dem Wind von vorne, vorbei an der Klippe inmitten der Bucht, entlang am tückischen Riff und guten Ankergrund findend, setzen wir mit dem Beiboot auf die Leuchtturm Insel über.

 
Vögel begrüßen uns recht zahm und zahlreich, nehmen aber ansonsten wenig Notiz von ihren Besuchern.

 

Seit über 50 Jahren ist die Insel schon unbewohnt. Bis dahin hatte der Leuchtturmwärter hier seinen ständigen Wohnsitz. Die Fundamente des Hauses und eine kleine Weidefläche, umsäumt von einem Steinwall, zeugen davon.

 

In der Ferne am Festland sieht man einen Kirchturm. Dort war damals die nächste Siedlung.

 
Es war abgeschieden. Aber schön muss es gewesen sein.

 

 

Die Insel ist ein wahres Blütenmeer. Weiss und rosa sind die Farben der Jahreszeit. Dazwischen sind die ersten wilden Erdbeeren reif. Die sommerlichen Düfte von Mädesüss und Baldrian überfluten uns förmlich.

 

 

Vielleicht war es auch gar nicht einsam damals. Die Fischer und Flösser der Zeit waren viele und nicht ungesellig. Man kommunizierte gern persönlich. Und sie alle kamen hier vorbei, zollten vermutlich Respekt an den Leuchtturm und den Wärter, die ihnen so viele Male schon den Weg gewiesen hatten.

 


 

Eine typische Kühle fällt über die eben noch sonnenwarmen Geröllstrände. Zügig verlassen wir die Insel, lichten den Anker und segeln langsam gen Hafen.

 

– Vor dem Wind, der hinter uns eine neue Nebelbank aufschiebt.

 

 

Noch in der Hafeneinfahrt hüllt uns der Nebel in dichtes Grau. Als ließe er ganz symbolisch nach diesem kurzen Einblick in eine vergangene Welt den Vorhang wieder fallen.

Text und Fotos: Arne Gerken

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