Rentiere im Eichhörnchenland

Ekorrträsk, Ekorrlund, Ekorrsele, Ekorrsjö, Ekorrbacken…
Eichörnchensumpf, Eichhörnchenhain, Eichhörnchenfurt, Eichhörnchensee, Eichhörnchenhügel...


Das Eichhörnchenland eben. Von hier aus kamen früher die Jäger in die größeren Orte. Um ihre Beute an den Mann zu bringen. Das Fleisch aßen sie selbst, die Felle wurden teuer verkauft.

Hier wollen wir hin, denn Arne hat zu tun. Aber wir kommen nicht als Eichhörnchenjäger. Die Zeiten sind vorbei.

Von Umeå aus fahren wir gut zwei Stunden durch die Wintertraumlandschaft. Von der Küste ins Landesinnere. Die vorbeibrausenden LKWs wirbeln frischen Puderschnee auf, der unser Auto zeitweise in Wolken hüllt. Die Stäbe am Fahrbahnrand markieren die Straße, zeigen im Tief- und Neuschnee den Straßenverlauf.

Wir kommen am Tavelsjö vorbei, der gar nicht als See zu erkennen ist, und dessen angebliches Ungeheuer sich erneut vor uns versteckt. Aber ich würde mich auch nicht zeigen, so als Ungeheuer unter einer dicken Schicht aus Eis und Schnee, auf der laute Menschen mit Skootern ihre Kreise ziehen.

Entlang des Vindeln-Flusses, durch gleichnamige Kommune und Stadt geht es weiter nach Westen. Fast legen wir eine Pause ein, um uns Vindelns schöne Kirche, mit ihrem spitzen Turm anzuschauen. Aber nur fast. Wir fahren weiter.

Relativ bald sehen wir Schilder: Achtung Rentiere! Hier sind nicht nur die Elchschilder, die wir Deutschen so gern als Souvenirs mit nach Hause nehmen, zu finden. Sondern eben auch die Rentierschilder.

Auch die schwarzen Plastiktüten an den Fahrrandmarkierungen weisen auf die Herden hin. Sie ziehen also gerade durch die Gegend. Wir fahren langsamer als wir müssten, denn wir wollen sie nicht verpassen, falls sie sich in Straßennähe aufhalten. Zäune in Sichtweite zeigen die Stellen an, wo die Tiere zusammengetrieben werden.

Das letzte Mal habe ich Rentiere im Sommer gesehen. Als wir uns mit Bus, Bahn und Daumen unseren Weg gebahnt haben. Von Russland aus zurück nach Schweden. Das ist schon so lange her.

Diesen Winter hatte ich noch kein Glück. Bis jetzt.

Denn unsere kleine Rentier-Safari ist erfolgreich. Eine kleine Gruppe der putzigen Tiere zeigt sich auf einer Wiese ganz nah der Straße. Einige von ihnen liegen, viele knien auf den Vorderbeinen und stecken mit dem Kopf im Schnee, andere stehen einfach herum. Vielleicht machen sie gerade eine Mittagspause. Oder was auch immer Rentiere mittags so machen.

Ich bin jedenfalls happy. Denn wer hätte im Eichhörnchenland mit Rentieren gerechnet?

Text: Rike Jütte

Fotos: Arne Gerken und Rike Jütte

Zum Weiterlesen:

Danke fürs Lesen!

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