Auf Schneeschuhen im Skuleskogen - High Coast Winter Classic

Welcher Idiot latscht im Winter bei Minusgraden, mit 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken, durch den Wald und kraxelt Berge im Tiefschnee hoch? Na ich. Und circa 200 andere Verrückte.

Letztes Wochenende, vom 18.-20. Februar 2016, fand das Höga Kusten / High Coast Winter Classic an der Hohen Küste in Schweden statt. Ein großes Winterspektakel, eine fast 40 Kilometer lange Wanderung auf Schneeschuhen (die übrigens nicht mehr wie Tennisschläger aussehen, Mama).

High Coast Winter Classic

Das Höga Kusten Winter Classic ist eine jährlich stattfindende Outdoor-Veranstaltung und die größte Schneeschuhwanderung Schwedens. Sie wird vom friluftsbyn organisiert.

 

Drei Tage lang geht es auf Schneeschuhen durch ein Gebiet in Schweden, das sich "Die Hohe Küste" nennt. Es gehört zum UNESCO Welterbe und schließt auch meinen geliebten Skuleskogen Nationalpark ein.

 

Gewandert wird entlang der Küste, durch verschneiten Wald und auf Berge und Plateaus mit atemberaubendem Ausblick. Jeder hat beim Wandern sein eigenes Gepäck dabei und geschlafen wird im Zelt.

Ablauf und Route

Tag Eins

Skuleskogen Nationalpark im Winter

Los ging das große Winterabenteuer am Donnerstag Morgen gegen 9 Uhr. Alle Schlaf- und Rucksäcke wurden beiseite gelegt und 200+ Menschen (und eine Handvoll Outdoor-Hunde) lauschten Organisator Jerry Engström bei Anekdoten, Tipps und der "Introduction to Outdoorlife". Themen waren neben der richtigen Klamottenwahl, natürlich auch „Wohnausstattung“ (sprich Zelt, Küche, Schlafsachen), sinnige Ausrüstung und vor allem die Einstellung zum Ganzen.

Nach der Schulung, einem schnellen Lunch und dem Abholen der Schneeschuhe, fuhren wir mit Bussen in Richtung Skuleskogen Nationalpark.

Es gab beim Wandern immer auch etwas leichtere oder kürzere Alternativstrecken zur Hauptroute. So konnte jeder für sich bestimmen, wie viel zumutbar war. Ich war zwar langsam, aber durchaus kampfeslustig eingestellt und habe die jeweils längeren gewählt.

Vom Busstop aus, ging es gleich kräftig bergan. Zum Nordeingang des Parks. Die Gewöhnung an das Laufen auf Schneeschuhen ging recht fix. (Hier habe ich Erfahrungen und Tipps zum Schneeschuhwandern aufgeschrieben.)

Auf dem ersten Abschnitt, durch den Wald und an der Küste entlang, passierten wir Tärnättholmarna und Näske Fäbodar. (Hier ist im Sommer ein hübscher Campground, direkt am Wasser und in Strandnähe.) Wir erkundeten kurz die Inseln und legten Fika-Pausen ein, bevor wir uns an den Anstieg zum ersten Nachtlager, Tärnättvattnet, machten. Wie empfohlen, fand unsere Dinner-Pause statt, bevor wir am Camp ankamen. Um fit und gestärkt die Zelte aufbauen zu können.

 

Eigentlich hatte ich mir für Abends eine Nordlicht-Safari vorgenommen. Kälte und Müdigkeit schickten mich aber recht schnell und unerfolgreich früh ins Zelt.

Tag Zwei

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Von Tärnättvattnet aus, ging es am Morgen des zweiten Tages mit dem Anstieg des Slattdalsberget los. Gutes Outdoor-Frühstück war ein Muss! Besonderes Highlight war die Slattdalskrevan, die Schlucht, durch die man hindurch kommt bevor es aufs Plateau hinaus geht. Der Anstieg war schwierig, wurde aber mit ganz besonderer Aussicht belohnt. Viele machten hier ihre Mittagspause. Uns war es oben zu kalt und wir stiegen auf der Rückseite erst wieder ein Stück hinab, bevor wir unser Essen zubereiteten.

Es folgte der Anstieg des Stampberget mit Pause an der Skrattabbortjärn-Stuga. Von dort aus waren es nur noch wenige Kilometer bis zum Nachtlager. Und es ging bergab. Geschwungene, verträumte Wege führten uns durchs schwedische Winterwonderland.

Das zweite Nachtlager, Kälsviken, wurde in der Nähe des Südeingangs des Parks aufgeschlagen. Da dieser zugänglicher ist als der erste, war es möglich nicht nur Feuerholz, sondern auch Snacks und Drinks heranzuschaffen. Wir wurden, zu unserer großen Freude, mit Energiebällchen und Glögg (schwedischem Glühwein) begrüßt.

Tag Drei

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Am dritten Tag des großen Abenteuers ging es eine ganze Weile an Straßen mit Wohnhäusern entlang. Wir waren so sehr Outdoor im Kopf, dass uns die Zivilisation regelrecht merkwürdig vorkam. Wir folgten dem Höga Kustenleden, einem der berühmtesten Wanderwege Schwedens. Wir bahnten uns den Weg in Richtung Skuleberget, dem Ziel der ganzen Aktion.

Am Fuß des Berges angekommen, gab es drei Optionen: Hier abbrechen und zurück zum Friluftsbyn fahren, das Gepäck zum Friluftsbyn fahren lassen und ohne den Anstieg antreten, oder mit allem Drum und Dran weiterkraxeln. Ich entschied mich für letztere Variante, hatte trotz Erschöpfung und Müdigkeit noch einen kleinen Rest Kampfgeist übrig.

Der Anstieg zur Spitze des Skuleberget ist relativ steil und zieht sich über zwei Kilometer. Ich brauchte viele Durchatempausen. Oben angekommen wurden wir von Jerry begrüßt: Er drückte jeden einzelnen, gratulierte zur Leistung und schoß auf Wunsch Fotos.

Wir ließen unser Gepäck draußen zurück und gingen in die Topstuga. Zum Aufwärmen, stärken und abschwitzen. Hier bekamen wir neben Kaffee und Waffeln auch unsere Teilnahme-Zertifikate überreicht.

Zurück ins Friluftsbyn kam man auf zwei Wegen: Entweder Hinabsteigen auf Schneeschuhen oder gemütliches Fahren im Skilift. Da meine Blasen mich plagten und ich noch nie mit einem Skilift abwärts gefahren bin, entscheide ich mich für die entspanntere Variante.

Im Friluftsbyn fand die After-Hike Party statt. Bei Burgern und Musik wurde gequatscht und entspannt. Ich war nicht die einzige, dessen Gangart sich verändert hatte: Auch den anderen taten die Füße weh.

 

Wir staksten auf unseren geschundenen, müden Füßen durch die Sporthalle, waren zufrieden mit unserer Leistung und traurig, dass unser Winterabenteuer schon wieder vorbei war.

 

Eine Karte der Wanderung (mit eingezeichnetem Weg!) kannst du dir hier anschauen!

Impressionen

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Schöne Blogposts (mit unglaublich schicken Fotos!) weiterer Teilnehmer:

 

 

Und hier auf a Lady & a Tramp berichtet meine Mitstreiterin Johanna, die auf vielen der Fotos zu sehen ist:

 

Vielen Dank an das Nordis Magazin, das mir die Teilnahme am Höga Kusten Winter Classic ermöglicht hat!


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Text und Fotos: Rike Jütte

Zum Weiterlesen:

Danke fürs Lesen!

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