Von schwedischem Radio und dem Nationalpark Kosterhavet

Von schwedischem Radio und dem Nationalpark Kosterhavet

 

Johannes hat mittlerweile schon einige Beiträge für Schweden und so geschrieben (Alle Gastbeiträge findest du hier.) Heute berichtet er vom Besuch des Kosterhavet Nationalparks und seinen Gedanken beim Radio hören in Schweden.

Schwedisches Radio...

 

Gastartikel | Im vergangenen Jahr hab ich jedem, der mit einer Reise nach Schweden liebäugelt, dazu geraten, für lange Fahrten eine eigene Playlist bereitzuhalten, da schwedisches Radio grundsätzlich gewöhnungsbedürftig ist. Diesen Rat würde ich nach wie vor so unterschreiben, denn ohne meine eigene Musik hätten mir angesichts von Liedern wie „Jag trodde änglarna fanns“ (hört sich so ähnlich an wie Helene Fischer bloß auf Schwedisch) regelmäßig die Ohren geblutet. Allerdings muss ich gestehen, dass ich dem schwedischen Radio in diesem Jahr zwischendurch immer mal wieder eine Chance gegeben habe und mich - so ich sie denn empfing - auch recht schnell auf einer Frequenz zuhause fühlte.

 

Das lag allerdings weniger an den Songs, als vielmehr an den Moderatoren, die mich trotz meines bescheidenen Schwedisch bisweilen bestens bei Laune hielten. Ich kann mich etwa noch heute an die lebhafte Diskussion dreier Moderatorinnen erinnern, die sich lachend und stichelnd darüber unterhielten, warum eine von ihnen denn noch nie „dick pics“ erhalten hatte. Außerdem erkannte ich zwischendurch sogar die ein oder andere bekannte Stimme wieder, etwa die von Rickard Olsson, dem Moderator von „Vem vet mest?“ u. „Vem vet mest? – junior“ – beides Sendungen, die ich übrigens auch für zuhause als kleine Portion Schwedisch für zwischendurch wärmstens empfehlen kann (u.a. kostenlos zu finden auf svtplay).

 

Letztlich kann ich das schwedische Radio aber vor allem aus einem Grund empfehlen: wegen der Werbepausen. Was sich erstmal kurios anhört, ist prinzipiell recht einfach erklärt: Wer etwas Schwedisch lernen möchte, ohne dafür einen Finger krumm zu machen, für den ist schwedische Radiowerbung - das - Mittel der Wahl, denn zum einen kennt man viele Firmen und deren Produkte ohnehin schon (LIDL, McDonalds, Volvo, etc.), zum anderen sind deren Slogan meist einfach, kurz und einprägsam – quasi all das, was man sich von einem Sprachkurs erwartet. Und als wäre das noch nicht genug, wird vieles davon – übrigens typisch schwedisch - sogar gesungen. So hatte ich es letztlich auch einer Radiowerbung für Erotik-Spielzeug zu verdanken, dass ich am Fährterminal im Hafen von Strömstad ein „vuxen“-Ticket löste.
 

Strömstad und Kosterhavet

Bunte Ruderboote, Strömstad, Schweden

 

Strömstad ist ein kleiner, beschaulicher Ort im äußersten Norden der schwedischen Westküste. Neben der Tatsache, dass es von hier aus nicht mehr weit nach Norwegen ist, macht den Ort vor allem eines attraktiv: er ist quasi das Tor zu Kosterhavet, Schwedens einzigem maritimen Nationalpark an der Westküste.

 

Mehr Infos findest du auf der offiziellen

Webseite des Kosterhavet Nationalparks.

 

Wer mit dem Auto und via Google Maps fährt, den führt das Ziel „Kosterhavet“ auch geradewegs zum Fährhafen. Allerdings schauen einen die Schweden, denen man dort begegnet bisweilen doch recht verdutzt an. Das mag einerseits an dem deutschen Nummernschild liegen, andererseits aber vermutlich auch daran, dass die Inseln von Kosterhavet weitgehend autofrei sind. Eine Gelegenheit, um mit dem Auto überzusetzen, sucht man hier vergebens. Was man ebenfalls vergeblich sucht, ist ein Hinweis, wo man denn sein Auto eigentlich abstellen soll, denn im Hafen und der anliegenden Innenstadt findet man schlicht keinerlei Dauerparkplätze. Ich weiß bis heute nicht, warum man eine dermaßen essenzielle Information weder auf den Broschüren noch im Internet erwähnt, aber letztlich wurde ich weiter nördlich und etwas außerhalb doch noch fündig.

 

Kosterhavet Nationalpark, Westschweden

 

Am nächsten Tag nahm ich bereits im Morgengrauen die Fähre nach Sydkoster, der größten Insel des Nationalparks. Die Fahrt selbst dauerte rund 45 Minuten, je nachdem an welcher Stelle man von Bord ging. Tatsächlich besteht Kosterhavet aus mehreren Inseln, darunter die beiden größten: Syd- und Nordkoster. Im Sommer herrscht hier besonders viel Trubel, denn bei schönem Wetter kann man vor Ort wohl wunderbar schnorcheln oder mit dem Kajak durch den Archipel paddeln. Beides Aktivitäten, auf die ich meiner Begleitung zuliebe verzichtete. Stattdessen entschloss ich mich, gemeinsam mit meinem Hund einmal rund um Sydkoster zu laufen, denn abgesehen von einigen Broschüren hatte ich bis dato keinerlei Eindruck von dem Nationalpark.
 

Schwarzer Hund im Kosterhavet Nationalpark, Schweden

 

Umso überraschter war ich, als die Fähre am Hafen der kleinen Insel anlegte. Nachdem, was ich bisher von den schwedischen Nationalparks gesehen hatte, rechnete ich mit wilden, naturbelassenen Wäldern, ein paar einsamen Trampelpfaden und einer Hütte zur Übernachtung hier und da. Stattdessen begrüßten mich jedoch gepflasterte Straßen und kleine Häuser, die Reihe an Reihe standen. Zwischenzeitlich lief ich sogar an einem kleinen Tennisplatz vorbei, der bloß einen Steinwurf vom offiziellen Rundwanderweg entfernt lag.

 

 

Der erste Eindruck sollte jedoch glücklicherweise nicht der letzte sein, denn je weiter wir wanderten, desto uriger und verträumter wurden Land und Leute. Gerade der Südwesten ist teilweise kaum besiedelt. Auf unserem Weg um die Insel kamen wir vorbei an kleinen Cafés. Wir passierten Kanus und Kajaks, die vertrauensselig am Wegesrand lagen. Wir sahen wunderschöne Windspiele, tranken Wasser aus öffentlichen Brunnen, wanderten auf Trampelpfaden zwischen rotweißen Häusern, in deren Gärten lautstark Kinder mit ihren Holzfiguren spielten und staunten angesichts der vielen Lasten-Fahrräder und Mopeds nicht schlecht, wie viel man damit eigentlich ziehen kann.
 

 

Als meine Fähre am späten Nachmittag schließlich wieder ablegte, hatte ich das unweigerliche Gefühl, ein Stück heile Welt hinter mir zu lassen. Und auch wenn ich weiß, dass Astrid Lindgren damals eigentlich von einem ganz anderen Ort erzählte, so erinnerte mich Kosterhavet doch unweigerlich an die Geschichten von Bullerbü.
 

Windspiel Kosterhavet Nationalpark, Westschweden

 

Text und Fotos:

 

Johannes, Baujahr 90, lebt und arbeitet in Hanau. In seiner Freizeit geht er gemeinsam mit seiner Hündin Tessa gern an seine Grenzen. Mental wie geografisch. Zu seinen Hobbies zählen neben zahlreichen Sportarten vor allem das Reisen und Fotografieren. Seine Arbeiten veröffentlicht er unter dem Pseudonym Alpha Image auf Facebook.


Das könnte dich auch interessieren:

Danke fürs Lesen!

Zurück zum Blog? Hier...

Seite teilen?

 

Nichts mehr verpassen?! Lies auf feedly oder bloglovin mit!