Kindheit und die sieben Zwerge

Kindheit und die sieben Zwerge - Gedanken zum Besuch der Waldbühne Bremke

Ein ständig wiederkehrendes Ereignis meiner Kindheit waren die Besuche der Waldbühne. Denn solch eine gibt es in Bremke, im kleinen Ort, der von der Deutschen Märchenstraße durchzogen wird. Auf der Waldbühne Bremke wird jährlich ein Märchen der Gebrüder Grimm zum Besten gegeben. Das war vor 25 Jahren so und hat sich bis heute nicht geändert. Und das ist nur die Zeit, an die ich mich erinnere. Denn eigentlich finden auf der idyllischen Naturbühne schon seit 1949 Märchenaufführungen statt.

 

Kindheit in Bremke und die Waldbühne

Bremke mit Kirche und Fachwerkhäusern

Ich habe meine Kindheit im kleinen südniedersächsischen Örtchen Bremke verbracht. Ebenso den größten Teil meiner Jugend und auch einen Teil der Zeit, die manche als Erwachsenenalter bezeichnen.

 

Während die Zeit der Jugend von der Frage "Wie komme ich in der Stadt?“ geprägt war, wollte ich als Kind eigentlich gar nicht weg.


Sondern einfach nur draußen unterwegs sein. Während ich jetzt am liebsten in Schweden unterwegs bin, hat mir damals das Dorf und die Umgebung gereicht.

Ich bin eben ein Dorfkind. Gemeinsam mit mehr oder weniger Gleichaltrigen wurden Bälle gekickt, Bäche gestaut, Buden gebaut. Es wurde durch den Wald gestromert.

 

Und wir gingen auf die Waldbühne.

 

Pförtnerhäuschen der Waldbühne Bremke
Nur selten haben wir ganze Stücke gesehen. Umso häufiger sind wir jedoch zur Waldbühne getrippelt, nachdem wir uns die erste Hälfte vom Garten aus angehört hatten und der Pausengong laut erklang. Denn ab der Pause durften wir so herein.
Vorbei am kleinen Pförtnerhäuschen, das damals noch ganz anders aussah. Die lange Steintreppe hinauf, deren Stufen heute nicht mehr aus den großen, dunklen Steinen sind, die so glitschig wurden, wenn es feucht war. Anstatt die Bühne anzusteuern, hielten wir uns rechts. Denn dort stand die Holzhütte, aus der heraus die leckeren rot-weißen Zuckerstangen verkauft wurden. Ohne das Lutschen dieser, machte der Waldbühnen-Besuch für uns keinen Sinn. Sie waren unser Highlight. 

Aber die Besuche der Waldbühne waren damals nicht nur auf die Stücke beschränkt. Als Kind findet man schließlich immer Mittel und Wege, um an den Ort des Begehrens zu kommen (ich hoffe, unsere Taten sind mittlerweile verjährt, und wir haben ja auch nichts angestellt). Das Gelände mit seinen Geheimgängen und Höhlen, mit der wuchtigen Felskulisse und den damals noch sehr klapprigen Holzbänken und Sitzen aus bröselndem Plastik lud uns immer wieder zur Erkundung ein.

Schneewittchen Premiere: 8. Mai 2016

Am Sonntag, dem 8. Mai 2016 bin ich wieder da. Ich habe mich weder hereingeschlichen, noch den Pausengong abgewartet, wie ich das vor zwanzig Jahren gemacht habe. Wie unzählige andere auch, habe ich mich am Pförtnerhäuschen angestellt und mein Ticket gekauft, bin die lange Steintreppe hinaufgestiegen. Habe mich aber nicht bis zur Pause gedulden können, bis ich mich auf die Suche nach den Zuckerstangen gemacht habe. Die musste ich schon vor Beginn des diesjährigen Stückes in den Händen halten.

 

Und ich habe den Anfang mitbekommen! Die Ankündigungen und die Gratulationen für Amelie und Luisa, die kleinen Geburtstagskinder. Und den mit Gruselstimme vorgetragene Text, dessen Zeile "mit uns ins Land der Phantasie" mir so gut gefällt. Und auf den die "Waldbühnenmusik" folgt, der ich so oft im Garten lausche.

 

Fast pünktlich um kurz nach 15 Uhr beginnt schließlich die Premieren-Vorstellung:

Schneewittchen und die sieben Zwerge

Das circa 40-köpfige Ensemble besteht aus Professionellen, Laien, ehrenamtlichen Helfern und vielen Kindern. Gemeinsam bieten sie eine spannende und witzige Märchen-Show. Leider verwehrt uns der Wind, den gesamten Text verstehen zu können. Sehen können wir aber prima und wir lachen und klatschen und nuckeln an unseren Zuckerstangen.

 

Wie gebannt sitzen wir mit den anderen Zuschauern in der prallen Sonne und bangen um das Schicksal der jungen Prinzessin. Ich bin wie früher fasziniert von den "Specialeffects", die die Märchenfiguren aus quellendem Rauch hervorzaubern und dem beeindruckenden Zauberspiegel, mit silbernem Glitzerhaar. Wenn das dämonische Lachen der bösen Königin ertönt, frage ich mich ob es mir wohl noch beim Einschlafen in den Ohren klingen und mich gruseln wird?

 

Besonders schön finde ich den Witz und die Flexibilität die ins Stück eingeflossen sind.

 

Weil die Zwerge Schneewittchen nicht tragen können, holen sie sich Hilfe aus dem Wald: Ein Bär und ein Wolf, gespielt von hilfsbereiten Papas der kleinen Schauspieler, eilen zu Hilfe.

 

Und es gibt beim Bremker Waldbühnen Schneewittchen acht Zwerge, statt sieben: Heute gespielt von der süßen Martha. Der achte Zwerg würde so gern mit den anderen zur Arbeit! Aber weil er noch zu klein ist, verbleibt er dann doch beim Schneewittchen im Zwergenhaus, wenn die anderen losziehen. Jeder Zwerg hat ganz deutliche Eigenschaften, die ihn von den anderen unterscheiden. Die Kids kriegen es toll hin, diese darzustellen und hervorzuheben.

 

Für viele ist der jährlicher Waldbühnenbesuch eine Tradition mit Nostalgiefaktor. So wie wir sind noch einige andere Zuschauer ohne kleine Kinder da. Aber wir sind doch in der Unterzahl. Schließlich sind die Vorstellungen ja auch für Kinder gemacht.

 

Überall wird geschnattert und gelacht. Vor allem, wenn die Kleinen von den Schauspielern aktiv ins Stück einbezogen werden. Dann beantworten sie im Chor die ihnen gestellten Fragen.

 

Ich ertappe mich dabei, die erwartete Antwort ebenfalls laut in Richtung Bühne zu rufen...

In Bildern.

Infos

Schneewittchen und die sieben Zwerge wird auf der Waldbühne Bremke noch bis zum 26. Juni und dann zwischen dem 31. Juli und dem 18. September sonntags um 15 Uhr gespielt. Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 Euro, Kinder zahlen 3,50.

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Text und Fotos: Rike Jütte

Danke fürs Lesen!

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