Und plötzlich war es (Mitt)Sommer

Und plötzlich war es Mittsommer.

Am Freitag der dem 21. Juni am nächsten liegt, wird in Schweden der Mittsommer-Abend gefeiert. Der Tag wird wie ein Feiertag gehandhabt. Die Ladenöffnungszeiten sind geändert und viele nehmen Urlaub, um ein langes Wochenende mit ihren Lieben verbringen zu können. Auch wir haben die kürzeste Nacht des Jahres mit lieben Menschen verbringen dürfen.

Mein erstes schwedisches Midsommar

Wir kamen am späten Nachmittag am Ferienhaus unserer Freunde an. Es liegt in der Nähe von Levar, zwischen Umeå und Örnskölsvik, direkt am Meer. Das dunkelbraune Blockhaus hat ein großes Wohnzimmer mit kleiner Küche, zwei minikleine Schlafzimmer, und einen Wintergarten mit Blick aufs Meer. Geht man zur Hintertür heraus, kommt man zum typisch schwedischen Outhouse.

 

Vorne im Garten liegt Spielzeug verstreut und die Mädels quietschen freudig in der Sonne herum. Wir holen noch einige Dinge aus der Küche und gehen den kleinen Hang hinunter zum Wasser. Tische. Bänke, ein Kinderspielhäuschen und ein Zelt stehen in der Sonne. Wir schmeißen den Grill an und decken unsere Mittsommertafel in einer kleinen Hütte direkt am Wasser.

Die Mädels geben auf dem Steg eine musikalische Vorstellung mit augeklügelter, raumgreifender Gestik und Mimik.

Es ist Sieben und wir sind alle noch barfuß und im T-Shirt. Zum ersten Mal in diesem Jahr. Ich erkläre die Sommersaison für eröffnet.

Bei Ankunft habe ich die Wassertemperatur mit dem Fuß getestet. Es ist sehr kalt. Die Mädels lassen sich, im Gegensatz zu mir, davon nicht abschrecken und stülpen sich zum wiederholten Mal die Kleidchen über die Köpfe. Kreischend begeben sie sich ins (sehr kühle) Nass. 

Es wird spät. Die Kleinen sind wieder trocken gerubbelt und vorerst in Richtung Zelt verschwunden. Wir Großen genießen die Abendruhe. Die Wärme. Und den Anblick des Wassers. Es geht kaum Wind. Das Meer ist ruhig und glitzert wunderschön in der Abendsonne. Plötzlich wird die Ruhe vom Kreischen der Möwen gestört. Lautstark verkünden sie ihren Unmut über etwas, das wir nicht sehen können. "Meistens stänkern sie so rum, wenn ein größerer Vogel in der Nähe ist." sagt Andreas. Und er hat recht. Ein Seeadler zieht seine Kreise.

Im Zelt wird noch immer getuschelt und gelacht. Wir bringen Holz und Wasser zur Sauna. Bereiten sie für später vor.

Zurück am Steg richten wir unsere Blicke nach Norden(!). Es ist fast soweit. Die kürzeste Nacht des Jahres. Wir genießen den Sonnenuntergang, der die Umgebung in rot-orange-lila Töne taucht.

Erst als sie wirklich ganz untergegangen ist, machen wir uns auf den Weg zur Sauna. Ich schaffe drei Durchgänge. Kühle mich zwischendurch an der Luft.

Gegen Zwei geht die Nacht ihrem Ende zu. Ganz langsam beginnt es am Horizont zu glimmen. Die Sonne schiebt sich wieder hervor. Ihre Nachtruhe ist beendet, noch bevor unsere begonnen hat.

Der nächste Tag

Das Wetter scheint den gestrigen Tag noch übertrumpfen zu wollen. Schon am Morgen scheint die Sonne warm und hell. Als wir aufstehen, haben die Mädels ihre ersten Badegänge im Meer schon hinter sich. Und auch uns zieht es, nach einem ausgiebiegen Frühstück, hinunter ans Ufer. Wir tauschen Badehosen und Bikinis gegen Wetsuits und paddeln mit den Boards aufs Meer. Ich stehe zum ersten Mal im Leben auf einem Surfbrett. Und fühle mich großartig!

Text: Rike Jütte

Danke fürs Lesen!

Zurück zum Blog? Hier...

Seite teilen?

Wie habt ihr Mittsommer gefeiert? Konntet ihr den Sommer begrüßen, oder hat die Schafskälte euch von sommerlichen Aktivitäten abgehalten? Ich freu mich über Kommentare!