Eine nordschwedische Juni Safari - Sumpfige Kreaturen, Orchideen und Fleischfresser

Junisafari. Sumpf, Orchideen und fleischfressende Pflanzen

Endlich wird es farbiger hier. Und ich meine nicht die Sonnenuntergänge, die sind auch im Winter schön! Ich meine die Pflanzenwelt: Schweden erwacht! Das Grün ist nicht mehr nur ein Abklatsch seiner selbst, sondern ein sattes, saftiges Grün. Hinzu kommen Gelb (unzählige Löwenzahnblüten säumen die Straßen und Wiesen), Blau, Weiß und Lila. Fast schleicht sich bei mir der Gedanke ein, dass hier doch noch irgendwann Sommer werden könnte. Jedenfalls machen wir uns auf den Weg, um herauszufinden, was sich da so farbenfroh aus der Erde schiebt und sich Flora Schwedens nennt.

Am Bach entlang

Spaziergang am Bach
Spaziergang am Bach

Tagsüber ist es häufig noch kalt und windig. Manchmal regnerisch und biestig. Aber Abends wird es schön. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und die Vögel liefern sich lautstark Wortgefechte. Und weil es abends draussen so schön ist, gehen wir auf Safari. Nicht auf Elch-Safari (die sieht man immer nur wenn grad keine Kamera zur Hand ist, oder man das Auto nicht stoppen kann), nein, auf Pflanzen-Safari.

Sich spiegelnder Sonnenuntergang
Sich spiegelnder Sonnenuntergang

Es ist fast Elf. Unser Weg führt uns an einem kleinen Bach entlang. Darin spiegelt sich der Sonnenuntergang mit all seinen Rot-Facetten.

Ab und an wechseln wir die Seiten, um bessere Sicht zu haben. Das Bächlein fließt ganz gemächlich nebenher, während wir, mit auf den Boden gerichteten Blicken, an ihm entlang spazieren.

Hier bin ich noch unschlüssig, ob mich die zarten Äste halten... Tun sie!
Hier bin ich noch unschlüssig, ob mich die zarten Äste halten... Tun sie!

Die ersten Fundstücke

Endlich finden wir was Farbiges! Naja, weiß eigentlich. Kleine Siebensterne! Sie heißen so, wegen der sieben wießen Blütenblätter die sie tragen. Ihre Stängel werden bis zu 25cm lang und sie bevorzugen moosreiche Laub- und Nadelwälder. Von ihnen gibt es viele hier im Norden, sie sind weitverbreitet.

Siebenstern mit Blaubeerblüten im Hintergrund
Siebenstern mit Blaubeerblüten im Hintergrund

Nicht wirklich bunt, aber doch schön anzusehen, sind die Hahnenfuß-Gewächse an denen wir vorbeikommen. Es gibt circa 600 verschieden Arten und diese wachsen überall auf der Welt (außer in der Antarktis). Hahnenfuß wird, wohl auch wegen der giftigen Inhaltsstoffe, als Unkraut bezeichnet.

Hahnenfuß
Hahnenfuß

Obwohl alles genauestens untersucht wird, finden wir nicht zu allen gefundenen Pflanzen die Namen heraus. Vor allem die gelben machen es uns schwer. Es gibt so viele verschiedene und sie sehen sich recht ähnlich.

Bodencheck
Bodencheck

Dieser süße, grün rosa Zwergstrauch trägt den schönen Namen Andromeda polifolia. Das klingt viel schöner als Rosmarinheide oder Polei-Gränke. Sie trägt den Namen, wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter zu denen Rosmarins. Die polifolia ist immergrün, ausdauernd und trägt hängende, glockenblumenartige Blüten. Sie bevorzugt Heide und Hochmoor als Standort, weswegen sie in Deutschland in Bayern und Baden-Württemberg und in norddeutschen Moorgebieten zu finden ist.

Rosmarinheide, Andromeda polifolia
Rosmarinheide, Andromeda polifolia

Die Nähe zum Bach, lässt uns hauptsächlich auf Moor- und Sumpfboden mögende Pflanzen treffen. 3-10 cm kleine Sumpf-Veilchen säumen mit ihren zart-lila Blüten unseren Weg. Sie blühen von Mai bis Juni. Im Gegensatz zu Hahnenfuß und Rosmarinheide, wird dem Sumpf-Veilchen medizinischer Nutzen nachgesagt.

Sumpf-Veilchen
Sumpf-Veilchen
Sumpf-Veilchen
Sumpf-Veilchen

Gelbe Blüte der Sumpfdotterblume
Gelbe Blüte der Sumpfdotterblume

Mir gefallen vor allem die Sumpfdotterblumen, die sich zuhauf aus dem Wasser schieben. Jede Blüte trägt fünf strahlend gelbe Blütenblütter mit zahlreichen Staubblättern innen. Sie fangen im März an zu blühen und halten ihre Blüten, je nach Region, bis April oder Juni. Auch die Sumpfdotterblume gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse. Sie sind schwachgiftig und werden von Weidevieh gemieden. Kochen reduziert die Giftigkeit, weshalb sie zum Teil als Nahrungsmittel verwendet wird.


Sumpfdotterblume
Sumpfdotterblume

Mittlerweile ist es nach Zwölf. Aber das ist egal, es ist ja hell. Meine Turnschuhe sind  völlig durchnässt und unser Weg führt uns von Fieberklee und Bach fort, weiter durch den Wald, hin zu unserem großen "Stadt-See", dem Nydala.

Knospen und Blüte der Sumpfdotterblume
Knospen und Blüte der Sumpfdotterblume
Fieberklee
Fieberklee

Orchideen am Nydala

Am verschlafen daliegenden Nydala erwartet uns ein atemberaubender Himmel (siehe ganz oben). Außerdem finden wir neben einem Boot, aus dem dringend mal jemand das Wasser heraus lassen sollte, Orchideen. Von wegen die gäbs nur im Süden Schwedens! Ganz unscheinbar und klein schieben sie sich aus der Erde. Mit ihren schwarzgesprenkelten Blättern. Vielleicht Dactylorhiza maculata, Geflecktes Knabenkraut? Wir müssen wohl ab und an zurückkommen, um zu schauen, wie die Blüten aussehen...

Ein vollgelaufenes Boot am Nydala
Ein vollgelaufenes Boot am Nydala
Dactylorhiza maculata, Geflecktes Knabenkraut
Dactylorhiza maculata, Geflecktes Knabenkraut

Fleischfresser

Rundblättriger Sonnentau, Drosera rotundifolia
Rundblättriger Sonnentau, Drosera rotundifolia

Wir finden fleischfressende Pflanzen, gleich in zwei Ausführungen. Den Rundblättrigen Sonnentau, Drosera rotundifolia seht ihr oben und unten auf den beiden Fotos links. Die als Einzelpflanze wachsende rotundifolia hat Fang-Blätter mit einem Durchmesser von 10-15mm. Die Stängel sind nur 1-5cm lang. Nichts zum Angst bekommen. Noch ist keine Blütezeit, die kommt von Juli bis August. Dann trägt die Kleine 3 bis 8 weiße Blüten an  einem bis zu 15cm hohen Blütenstängel. Ich bin gespannt! Unten die zwei Bilder auf der rechten Seite zeigen die Drosera anglica, den Langblättrigen Sonnentau. Die zwei sehen sich sehr ähnlich. Ich kann nur einen kleinen Unterschied in der Form der Blätter erkennen: Einmal rund, einmal langblättrig. Die beiden können sich untereinander kreuzen, was eine wiederum andere Blattform hervorbringt. Ob sich das dann ovalblättrig nennt?

Droseria rotundifolia
Droseria rotundifolia
Droseria rotundifolia
Droseria rotundifolia
Droseria anglica
Droseria anglica
Droseria anglica
Droseria anglica

Mückeninvasion!

Als wir, einige Tage später, einen Teil des Weges erneut spazieren, ist es kaum mehr möglich Fotos zu machen. Oder überhaupt länger als ein paar Sekunden stehen zu bleiben, um sich etwas anzuschauen. Denn durch die "Wärme" der letzten Tage (10-16C°) fand eine Mückenexplosion statt. Sie sind so hartnäckig, und in einer Großzahl vorhanden, dass wir uns von feuchten Gebieten in näherer Zeit wohl eher fernhalten. Gut also, dass wir für unsere Juni-Safari den Anfang des Monats gewählt haben!

Endlich auch zu Hause wieder Farbe

Ein bunter Morgengruß auf dem Küchentisch
Ein bunter Morgengruß auf dem Küchentisch

Beim Nachschlagen und Bestimmen haben mir neben meinem ortskundigen Guide noch Schmeil-Fitschen* und Den nya nordiska floran* geholfen.

Nächtlicher Himmel am Nydala
Nächtlicher Himmel am Nydala

Text und Fotos: Rike Jütte

Danke fürs Lesen!

Zurück zum Blog? Hier...

Seite teilen?