Im Kellerwald mit Ranger Bieber

Ebereschen und Ausblick. Nationalpark Kellerwald-Edersee, Hessen, Deutschland

 

Es kann nicht immer Schweden sein. Manchmal fehlt es an Zeit oder Geld für den Skandinavientrip. Aber das ist oft auch nicht so schlimm. Denn es gibt auch in Deutschland so viel zu entdecken. So könnte man zum Beispiel einen total schwedischen Trip nach Berlin unternehmen und im Café Stockholm seine Blåbärsoppa schlürfen. Und auch für Outdoorfans gibt´s jede Menge im Angebot. 
 

Mein Fern- und Schwedenweh lässt mich häufig die nähere Umgebung vergessen. Dabei lohnt sich die Erkundung Deutschlands. Schnucklige Dörfchen und - zumindest fleckenweise - sich selbst überlassene Natur gibts hier schließlich auch.

 

Als bekennender Nationalpark-Freak, macht es mir besonders Spaß diese anzuschauen und zu erwandern. Oder zu erbiken. Ob nun in Schweden oder in Deutschland. Das habe ich neulich im Nationalpark Kellerwald-Edersee gemacht. Eigentlich habe ich ihn sogar er-e-biked. Und das war toll. Denn bei 30ig Grad schwindet die Lust nach Mountainbiking auch bei mir...

 

Vulkan-Express mit Fahhradanhänger in Frankenberg, Hessen
E-Bikes im Nationalpark Kellerwald Edersee

 

Von Frankenberg aus, bin ich mit dem Vulkanexpress gefahren. Der hat hinten einen Anhänger dran und nimmt darin kostenlos die Fahrräder der freudigen Radler mit. Solche Angebote gibt es mittlerweile fast überall in Hessen. Der Fokus liegt in vielen Regionen auf dem autofreien verreisen. Und um dies zu ermöglichen, werden die Infrastruktur und vor allem die "Öffis" stark gefördert und promoted. Find ich super: Ich bin mit der Bahn angereist, mit dem Bus weiter gefahren und schließlich aufs E-Bike gestiegen. War klasse, klimaschonende Reisealternativen sind doch was Gutes :-)

 

Ausblick Kellerwald-Edersee Nationalpark

Hessen autofrei

 

Dem Freizeitverkehr sei Dank, braucht man noch nicht mal ein Auto für die Deutschland- oder speziell die Hessenerkundung. 
 
So gibts in der Region Odenwald zum Beispiel den NaTourbus, den Burgenbus und ab Ende des Jahres auch den Wanderbus, der den autofreien Verkehr zu zertifizierten Wanderwegen sichert.
 
Die Vogelsberg Region hat den Vulkan Express, mit dem Motto „Vulkan erlebbar machen“. Er fährt zum Beispiel einen 115 km Radwanderweg und den 94 km langen Vulkanradweg an. Die Buszeiten sind auf die An- und Abfahrtzeiten der Züge abgestimmt.
 
Viele der Wanderstrecken Hessens werden zunehmend auch von Longboardern entdeckt. So sieht man also nicht nur Radler, sondern auch Boarder.
 
In der nordhessischen Grimmheimat, gibt es für Urlauber eine all inclusive Gästekarte. Sie wird in vielen teilnehmenden Hotels ausgegeben und ermöglicht die Nutzung des öffentlichen Verkehrs und den Eintritt in 130 Freizeiteinrichtungen. Die „MeineCardPlus“ gilt sogar für die kostenfreie Nutzung von Ebikes, ECars und Carsharing-Programmen. Rund um Kassel und den Edersee gibt es zusätzlich viele AST (Anruf-Sammeltaxi) Möglichkeiten.
 
Eberesche und Ausblick, Nationalpark Kellerwald Edersee

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee

 

2004 entstanden, ist er einer von insgesamt 16 Nationalparks in Deutschland und der einzige in Hessen. Er gehört zum UNESCO Weltnaturerbe.

 

Der Park mit seinen urigen Wäldern, bizarr gewachsenen Baumgestalten, Bergkuppen und Schluchten, reinen Quellen und Bächen, Waldwiesentälern und Obstwiesen, liegt wie ein zerklüftetes Dreieck südlich der Eder und ihres Sees - recht mittig zwischen Bad Wildungen, Frankenberg und Korbach, etwa 50 km von Kassel entfernt.

 

Sein Buchenurwald hat einen besonders hohen Altholzanteil mit Urwaldrelikten. Die Buchen sind mitunter bis zu 260 Jahre alt. Ebenfalls besonders: Über 90% des Nationalparks besteht aus sich völlig selbst überlassener Naturfläche.

 

"Natur, Natur sein lassen" lautet das Motto!

 
Neben den Wäldern, gefallen mir besonders die Freiflächen. Die Streuobstwiesen mit unzähligen Apfelbäumen, die gemütlichen von Ebereschen gesäumten Wege, und die Triesch-Bereiche, auf denen früher "Sieben-Felder-Wirtschaft" betrieben wurde. Jetzt sind sie Pflegezone, Heidschnucken fungieren als Rasenmäher.
Informationen zum Park gibt es im spacig anmutenden Besucherzentrum oder bei geführten Touren. Ich empfehle, das Besucherzentrum vor dem eigentlichen Park aufzusuchen. Mit ein bisschen Infos vorab, wirst du viel aufmerksamer für viele Dinge, die dir sonst vielleicht entgehen würden!
Tipp: Nicht den Infofilm in 4D verpassen!
 
Noch direkter sind natürlich geführte Wanderungen durch den Nationalpark. Solche "Rangertouren" finden jedes Wochenende und zu speziellen Daten statt.
 
Plastisches Modell des Nationalparks Kellerwald Edersee im Besucherzentrum

Ein Ranger namens Bieber

Mit etwas Glück, bekommst du vielleicht eine Führung beim kompetenten Forstwirt und Pilzfeund Ranger Bieber (kein Witz).

 

Bei regelmäßigen Touren und Themenführungen - zu jeder Jahreszeit und mit Becherlupen bewaffnet - bringt er Klein und Groß zum Beispiel Pflanzenbestimmung oder die Besonderheiten der Pfingstnelke bei. Ein weiteres Thema ist "Waldböden als Basis des Lebens im Waldökosystem". Aber im Gespräch wird deutlich: Eines seiner Lieblingsthemen scheinen Pilze zu sein.
 
Über Pilze wüsste ich auch gern mehr. Ich kann sie leider nicht auseinanderhalten, lasse momentan lieber noch die Finger von ihnen und bleibe erstmal bei meinen Wildkräutern und Beeren.
Neben einer kleinen, vertrockneten Blaubeere (die in mir ein wenig Schwedenweh verursacht hat), habe ich trotzdem auch einen Pilz entdeckt. Schau mal, er tarnt sich als Brötchen:
 
Pilz der sich als Brötchen tarnt
Vertrocknete einzelne Blaubeere im Kellerwald, Hessen

 

Ranger Hermann Bieber weiß aber nicht nur über Pilze Bescheid. Er kann über die mageren, sauren Böden der Region berichten, zeigt Arnica und Katzenpfötchen, Heide und Wacholder. Ihm ist es wichtig, den Nationalpark und all seine Facetten für die Besucher erlebbar zu machen.

 

Und er kennt natürlich die schönsten Ecken des Parks. Zum Beispiel den schattigen Platz unter einer besonders großen und alten Buche, die schon von vielen Künstlern mit ihren Staffeleien und Paletten aufgesucht wurde.

 

Oder den Fahrentriesch-Pavillon, der nicht nur ausgiebig über die frühere und heutige Nutzung der umgebenden Fläche informiert, sondern sich auch hervorragend für ein kleines Päuschen mit Picknick eignet.

 

Fahrentriesch Pavillon und E-Bikes, Kellerwald Edersee Nationalpark
Brotzeit mit regionalen Produkten im Nationalpark Kellerwald Edersee

 

Ebenfalls schön: Die Quernst-Kapelle. Von dieser aus gibt es einen herrlichen Ausblick auf die Waldecker Tafel, die Berge des Kellerwalds und das Rothaargebirge.

 

Und genau an dieser Kapelle habe ich ein klein bisschen Schweden gefunden: Wanderin Monica hatte für ihre Tour einen Fjällräven Kånken dabei. Schweden gibts also selbst in hessischen Nationalparks ;-)

 

Turm der Quernst-Kapelle im Nationalpark Kellerwald Edersee, Hessen
Schwedischer Fjällräven Kånken in pink im Kellerwald Nationalpark

Zu Reise, Kost und Übernachtung bin ich eingeladen worden. Vielen Dank an Hessen Tourismus, die Hessen Agentur, das Hotel Sonne Frankenberg, den Nationalpark Kellerwald Edersee, den E-Bike Verleih Heinrich Müller und allen anderen Beteiligten des Infotages "Urlaub ohne Auto in Hessens Regionen". #HessenTourismus #VisitHessen

Text und Fotos: Rike Jütte

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Danke fürs Lesen!

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