Die Istiklal Caddesi - Ein Spaziergang in Istanbul

Istiklal Caddesi Istanbul

Aus dem ruhigen, idyllischen, dünnbesiedelten Norden Schwedens kommend, brauche ich einige Zeit um mich in der Türkei zu akklimatisieren. Mit dem Wetter hat das nichts zu tun. Wohl aber mit der Lautstärke, der Geschwindigkeit und der Wuselei Istanbuls, die so gar nicht vergleichbar sind, mit der mir lieb gewordenen Stille.

Nach kurzer Eingewöhnung, mache ich mich auf den Weg die Stadt zu entdecken. Pünktlich mit dem Ruf des Muezzins zwischen zwölf und halb eins, starte ich einen Spaziergang. Vom Taksim, die Istiklal hinunter, am Galataturm vorbei, zur Galatabrücke und von dort ins historische Viertel. Ich lasse dich einen Teil des Weges mitkommen...

Am Taksim

Am Taksim
Am Taksim

Der Taksim-Platz ist wohl den meisten ein Begriff, war er doch im Sommer 2013 aus den Nachrichten nicht wegzudenken. Weitläufig und geräumig, sind Menschen und Tauben zu jeder Tages- und Nachtzeit um das Denkmal der Rebublik unterwegs. Es gibt keine Spuren, die an die Proteste erinnern, stattdessen geschäftiges Treiben.

Die Istiklal

Am Taksim nimmt die etwa drei Kilometer lange Istiklal Caddesi, die Unabhängigkeitsstraße, ihren Anfang. Sie ist eine der bekanntesten Straßen Istanbuls: Anziehungspunkt für Einwohner, wie auch für Touristen. Seit den Neunzigern ist sie eine Fußgängerzone, was auch mehr oder weniger eingehalten wird. Nachts ist sie eines der Zentren des Istanbuler Nachtlebens. Kaffees, Restaurants, Bars und Clubs locken die Nachtschwärmer an und auch viele der Läden sind bis spät geöffnet.

Historische Straßenbahn. Sie fährt vom Taksim bis zur Station Tünel.
Historische Straßenbahn. Sie fährt vom Taksim bis zur Station Tünel.

Ist einem der Weg zu weit, kann man auf die wiederbelebte, historische Straßenbahn "aufhoppen". Aber ich möchte mich ja bewegen. Und etwas sehen. Deshalb hebe ich mir die Fahrt auf und starte meinen Gang die Istiklal hinunter zu Fuß.

Die Straße ist nah am Taksim noch eher von kleineren Läden geprägt. Diese werden im Laufe der Zeit größer. Mango, Pandora und Converse mischen sich (erst dezent, später prominent) zu den kleinen Souvenirläden, Tee- und Gewürzhandlungen. Burgerketten und gefühlte zehn Starbucks Coffee Shops kommen hinzu. Eindeutiges Großstadtflair... Unzählige Bankautomaten mit horrenden Abhebungsgebühren versuchen zum Geldabheben zu animieren.

 

Auch die Besucher der Istiklal bieten ein vielschichtiges Bild. Ein bunter Mix aus Geschäftsleuten, Shoppingqueens und Touristen. Zwischen ihnen laufen Kinder jeden Alters herum. Die Touristen treten einige Schritte zur Seite, wenn sie ihnen nahe kommen. Die Einheimischen ignorieren sie. Abwechselnd sprechen sie Menschen an, um um Geld zu bitten und toben herum. Viele sind nicht für das kalte Wetter gekleidet. Einige laufen auf Strümpfen. Es sind so viele und ich kann mich nicht entscheiden, wer von ihnen wirklich Geld braucht, oder wem es eher schadet, wenn ich ihm etwas gebe. Mit fadem Geschmack im Mund gehe ich weiter. Ohne eine Entscheidung getroffen zu haben. (Ute von bravebird.de hat sich mit diesem und weiteren Themen beschäftigt, und dazu einen äußerst lesenswerten Artikel geschrieben: 10-tipps-fur-bewussteres-reisen, schau unbedingt rein!)


Spätestens jetzt habe ich das Gefühl mich auf der Straße der Gegensätzlichkeiten, statt auf der Unabhängigkeitsstraße zu befinden. Zwischen die, teilweise im Jugendstil gehaltenen Prunkgebäude, mischen sich abbruchsreife Häuser und Häuserlücken. Neben teurem Edelshop, schlafen Menschen und Hunde in Hauseingängen. Die Schere zwischen arm und reich sticht mir direkt ins Gesicht.


Neben der Basilika St. Antonius und einigen gut gesicherten Konsulatgebäuden gehen kleine Straßen und Passagen ab. Laute Musik kommt aus allen Richtungen. Es wird Tee auf kleinen Höckerchen getrunken, Zeitung gelesen, die neuesten Einkaufserrungenschaften werden präsentiert. Das Leben findet statt, die Kinder finden wenig Beachtung.

Bin ich noch auf der Istiklal? Egal, ich laufe weiter.

Im Hipsterviertel

Die Straßen werden steiler und enger, die Läden kleiner und hipper. Die Tradition, Läden mit den gleichen Artikeln direkt nebeneinander zu plazieren (die mich schon einige Male erstaunt hat), ist auch hier zu beobachten. Ein ganzer Abschnitt der Straße ist dem Verkauf von Musikinstrumenten, und weiterem musikalischem Zubehör gewidmet. Dann folgt ein Abschnitt mit kleinen Schmuck- und Handwerksläden und schicken Klamotten. Die Kaffees und kleinen Hotels und Hostels sind belagert mit Macbook-Touristen und tragen stolz ihren "Tripadvisor"-Approved Stempel an der Tür.


Am Galata-Turm

Ich komme dem Galata-Tower näher. Zwar seh ich ihn noch nicht, aber der Anteil an nach Touristen aussehenden Menschen wird größer. Am Turm angelangt, bilden sie Schlangen um hinaufzuklettern und von dort den Blick über Istanbul zu genießen. Der Himmel ist grau, und ich entscheide mich gegen die Warteschlange und für das Weitergehen.

Überall bieten die Straßenhändler Simit (Sesamring) und Maronen an. Andere sammeln Metall oder Plastik und transportieren es auf Handwagen. Ich schaue mir die Graffitis an und stolpere in Richtung Karaköy. Die riesige Kreuzung führt auf die Galatabrücke. Diese wiederum ins historische Viertel Istanbuls. Aber das ist eine andere Geschichte...

Warst du schon mal in Istanbul? Wie hast du die Stadt erlebt? Ich freu mich über deine Kommentare!

Text und Fotos: Rike Jütte


Danke fürs Lesen!

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