Reiher am Ryck

Von Greifswald aus führt ein Spazierpfad in das ehemalige Fischerörtchen Wieck. Dieses wurde 1939 eingemeindet und ist nun Stadtteil. Trotzdem hat es seinen dörflichen Charme nicht verloren.

Von Greifswald aus geht es nach Wieck circa 5 Kilometer am Fluss entlang. Der nur 30,7 km lange Ryck mündet dort in die Ostsee.

Von Greifswald zu Fuß nach Wieck

Museumshafen Greifswald

Unser Weg beginnt nahe der Greifswalder Innenstadt. Genauer gesagt am Museumshafen (zwischen Hafen- und Salinenstraße). Dort liegen wunderschöne alte Boote, jetzt im Winter natürlich zu großen Teilen abgedeckt, an Land und im Wasser. Seit 1994 liegen hier Traditionsschiffe zum Anschauen und Ablegen.

Gegenüber unseres Weges befindet sich die Museumswerft (Salinenstraße 20). Was einmal Buchholzsche, dann VEB Reparaturwerft war, wird heute als Kultur- und Selbsthilfewerft betrieben. Es wird gewerkelt, restauriert, schick und funktionstüchtig gemacht.

Greifswalder Museumswerft

Am Tag zuvor haben wir die Werft ein wenig inspiziert: Wir durften überall herum- und hineinschauen. Gern hätten wir mehr mit den Bootsbauern gequatscht, doch unser Timing war, wie so häufig, suboptimal. Kurz vor Feierabend hatten die Herren und Damen nicht mehr allzu viel Elan unsere Fragen zu beantworten.

Boote in Greifswald im Januar.
Päckchen im Nebel.
Masten in Greifswald.
Masten in der Sonne.

Ich bestaune einen kleinen, geschmückten Weihnachtsbaum, an Bord einer Ketsch. Boatlife scheint kein Grund zu sein, auf Weihnachtsdeko zu verzichten! Gegenüber des weihnachtlichen Bootes befindet sich eine kleine Siedlung bunter, mehrstöckiger Wohnäuser; Sie wird die Schwedensiedlung genannt.

Weihnachtsstimmung an Bord.
Weihnachtsstimmung an Bord.
Greifswalder Schwedensiedlung.
Greifswalder Schwedensiedlung.

Vorbei am Fangenturm und einem von Tauben besetzten, ansonsten leerstehenden alten Backsteinhaus machen wir uns weiter. Strammen Schrittes gehts am zugefrorenen Fluss entlang. Wir treffen wagemutige Radler und sogar einen Jogger auf dem rutschigen Weg. Die meisten scheinen aber, wie wir, eher spaziergehend unterwegs zu sein.

Besetztes Haus.
Besetztes Haus.

Seit einigen Tagen ist die Eisschicht dick genug um Menschen zu tragen. Das scheint nicht nur der Greifswalder Jugend, sondern auch den Angelfreunden ganz recht zu sein. Nicht wenige haben sich Löcher ins Eis geschlagen, um dem Eisangeln nachgehen zu können.

Reiher und Radler auf zugefrorenem Ryck im Januar.
Reiher über Radler.

Eisangler und Reiher

Schon seit dem Museumshafen beobachten wir ein Reiher-Pärchen.

 

Erst fliegen sie in der Luft, später betteln sie auf dem Eis.

 

Während der Eine etwas schüchtern scheint, ist der Andere gewitzt und weiß genau, wie er an frischen Fisch kommt. Er streunt um die Eisangler herum, beobachtet genau, wie es schließlich an der Leine ruckt und kommt näher. Dem Angler ist der Fisch zu klein, um ihn mit nach Hause zu nehmen. Und so freut sich der Reiher über das ihm hingeworfene Fischchen, das er sofort verschlingt.

Reiher auf dem zugefrorenen Ryck bei Greifswald.
Reiher am Ryck.
Reiher auf dem zugefrorenen Ryck bei Greifswald.
Eisspaziergang.
Reiher und Eisangler auf dem zugefrorenen Ryck bei Greifswald.
Angler. Reiher. Ryck.

Platten und Ruinen

Wir kommen an den Greifswalder Ortsteilen Ostseeviertel und  Eldena vorbei. Das Ostseeviertel scheint durch große Mehrfamilienhäuser und Platten geprägt zu sein und Eldena ist der größte Stadtteil der Hansestadt. Dort befindet sich ein, im Sommer stark frequentiertes, Strandbad und es gab einmal ein Kloster. Was einst dänische zisterzienser Mönche gründeten, ist seit langem nur noch eine Ruine. 1825 setzte Caspar David Friedrich sie in Szene und brachte sie in Öl auf die Leinwand.

 

Wir schaffen es leider nicht, uns die Klosterruine anzuschauen. Stattdessen wollen wir einigermaßen schnell in Wieck ankommen, uns Ort und Hafen anschauen und mit dem Betreiber eines Segelcharters quatschen und seine Werkstatt besichtigen.

Wieck und Ladebow

Wieck ist niedlich. Über die berühmte Holzklappbrücke, die übrigens gerade erst aufwändig repariert wurde, kommen wir auf die Hafenpromenade des über 800 Jahre alten Wiecks zu. Anlegeplätze gibts auf der einen, Restaurants und Ferienwohnungen auf der anderen Seite.

 

Wir schlendern an Hafenamt, Sternerestaurant und einem Imbiss namens Reusenhaus vorbei, bis wir -endlich- das offene Meer sehen können.

Holzbrücke Wieck.
Skulptur und Wiecker (Holzklapp-)Brücke.
Endlich: Blick auf Meer und Turteltauben.
Endlich: Blick auf Meer und Turteltauben.

Wir bewundern auf dem Weg nach Ladebow (Stadtteil direkt an Wieck liegend) die kleinen reetgedeckten Häuschen entlang der kopfsteingepflasterten Gassen. Vorbei an der solarbedachten Bugenhagenkirche (zwischen 1881 und 1883 erbaut), kommen wir irgendwann bei unserer Verabredung in der Nähe des alten Industriehafens an.

 

Beim Tee quetschen wir den freundlichen Urgreifswalder über das Segeln, seine Boote, die Stadt, die Leute und die Umgebung aus. Natürlich dauert das länger als geplant und so kehren wir ausnahmsweise auf Rädern in die Stadt zurück (der Bus von Greifswald nach Wieck und vice versa fährt circa viermal die Stunde und kostet 2 Euro).

Kopfsteinpflaster und Reetdächer in Wieck bei Greifswald.
Kopfstein und Reet.
Bugenhagenkirche mit Solardach.
Bugenhagenkirche mit Solardach.

Zum frühen Abend sind wir zurück in der Stadt, denn wir sind zum Essen geladen: Bilal, Samer und Latif bescheren uns neben typisch syrischen Spezialitäten einen Abend voller interessanter Gespräche.

 

Ein Tag voller Seightseeing, abgerundet mit einem Abend voll neuer Freundschaften. Könnte ein Urlaubstag besser aussehen?!

Hoummos, Homs-Hoummos, Babaganoush, Reis und Salat. Yumm.
Hoummos, Homs-Hoummos, Babaganoush, Reis und Salat. Yumm.

Text: Rike Jütte

Fotos: Arne Gerken und Rike Jütte

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